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Mahmood ist aufgeregt. Gleich wird er sein Heimatland Afghanistan vorstellen. Eine Woche lang hat der 29-Jährige mit den Mitarbeitern des why not Cafés an dieser Präsentation gefeilt, hat im Internet recherchiert, sich Notizen gemacht, das freie Sprechen geübt. Seit nun mehr als zwei Jahren ist Mahmood schon in Deutschland, hat sich mittlerweile gut in Hamburg eingelebt, hat Freunde gefunden, besucht einen Sprachkurs, arbeitet ehrenamtlich hier im Café.

Dieses ist mittlerweile gut besucht, Geflüchtete aus Syrien, dem Iran und eben Afghanistan sind ebenso anwesend wie einheimische Hamburger. Sie alle sind gekommen um an dem Projekt why not am Samstag teilzunehmen. Die Idee hinter diesem Vorhaben ist es, den Besuchern Fluchtländer näher zu bringen, den Austausch, den Dialog und somit auch die Integration zu fördern und zu stärken.

Die Reihe why not am Samstag wurde im Oktober 2017 ins Leben gerufen.

„Es gibt vier große Themenschwerpunkte“, erklärt die iranische Projektleiterin Maha, „wir bieten beispielsweise regelmäßig unseren Soul Food Market an, wir kochen und brunchen zusammen, außerdem gibt es einen Spielevormittag. Auch heute wird im Anschluss an Mahmoods Vortrag gebruncht, es gibt verschiedene Köstlichkeiten aus Afghanistan, wie die traditionellen Teigtaschen gefüllt mit Schafskäse, Tomaten und Peperoni.“

Denn Essen verbindet. Und es gibt uns ein Gefühl von Heimat. Egal, wo man gerade auf der Welt ist: genießt man heimisches Essen, schwindet die Sehnsucht nach dem eigenen Zuhause und die Fremde wird weniger fremd. Und Essen hat was mit Geselligkeit zutun: Es bringt die unterschiedlichsten Menschen zusammen an einen Tisch, fördert die Kommunikation und die Zugehörigkeit, lässt uns fremde Länder und Kulturen kulinarisch entdecken und kennenlernen. Essen dient nicht nur dem puren Überleben, sondern ist vielmehr Genuss und somit eine echte Bereicherung für unser Dasein.

Und genau das ist die Intention hinter den regelmäßig stattfindenden Brunchs im why not. Doch bevor das Essen losgeht, erzählt Mahmood den Gästen von seiner Heimat, die er sehr vermisst, vor allem seine Familie fehlt ihm.

Mahmood beginnt mit einigen geografischen Eckdaten zu Afghanistan, erklärt, dass in diesem Land in etwa 37 Millionen Einwohner leben, dass es eine große Artenvielfalt gibt und ebenso viele Sehenswürdigkeiten. In seiner Stimme schwingt Liebe für Afghanistan mit, Liebe für dieses so von Krieg und Terror zerrüttete Land. Dabei schaut Mahmood gelegentlich auf seine Notizen, spricht ansonsten frei, nur manchmal sucht er nach den richtigen Worten, dann hilft ihm Maha.

Im Café ist es ruhig, die Gäste hören interessiert zu, stellen gelegentlich Fragen. Alle sind gebannt von Mahmoods Erzählungen.

Gegen 12 Uhr ist Mahmood fertig, er wirkt erleichtert, dass er die Präsentation, vor der er so aufgeregt war, nun zu Ende gebracht hat. Die Besucher klatschen und klopfen mit ihren Händen auf die Tische. Mahmood wird für sein schon wirklich gutes Deutsch gelobt und dann kann der eigentliche Brunch endlich beginnen.

Die Besucher verteilen sich in den Räumlichkeiten des Cafés, einige sitzen auf den Sofas, andere wiederum stehen vor dem Tresen oder an den Stehtischen. Es wird sich lebhaft unterhalten, die Stimmung ist entspannt und ausgelassen.

Und das vom why not Team so liebevoll zubereitete afghanische Essen kommt gut an. Doch was ist eigentlich typisch für die afghanische Küche?

Aufgrund seiner geografischen Lage wurde die Küche des Landes im Laufe der Jahrzehnte stark von den Kochgewohnheiten der umliegenden Regionen beeinflusst, besonders von der persischen und der indischen Küche. Aber auch die Küchen Zentralasiens sowie die der Türkei fließen in das afghanische Essen mit ein. In Afghanistan bildet Brot das Grundnahrungsmittel. Es wird aus einfachem Weizenmehl hergestellt und ist unter den Namen Nan oder auch Chapati bekannt. Für die Afghanen stellt dieses Brot zusammen mit einer Tasse Tee häufig schon eine komplette Mahlzeit dar. Der Tee ist meistens schwarz, aber auch grüner Tee wird getrunken. Zubereitet wird er im traditionellen Samowar und anschließend mit Kardamom gewürzt und verfeinert. Das Nan kann aber auch eine Beilage zu einem Hauptgericht sein, zum Beispiel zu einer Suppe.

Und auch Reis hat in Afghanistan eine große Bedeutung. Aus ihm werden die verschiedenen Pilaws zubereitet. So ein Pilaw besteht aus langkörnigem Reis, Zwiebeln, Brühe, Fleisch oder Fisch sowie Gemüse. Das qabuli pulau ist das afghanische Nationalgericht. An Fleisch wird überwiegend Lammfleisch gegessen, aber auch Ziege, Rind, Kamel oder Geflügel. Das Lamm wird gerne zu Kebab verarbeitet.

Als Zwischenmahlzeit dienen gefüllte Gebäckstücke, die von Verkäufern auf den Straßen der afghanischen Städte angeboten werden. Als wichtigstes Milchprodukt gilt Joghurt, der häufig in der afghanischen Küche verwendet wird. Tschaka heißt eine cremige, aus Jogurt zubereitete Masse. Wird diese zu Kugeln geformt und getrocknet, so nennt man diese Speise dann quroot. Und panir ist der Name für den afghanischen Käse. Ein traditionelles Frühlingsgericht in Afghanistan ist kischmish panir, das ist Käse mit roten Weintrauben. Und hinter abrayshum kebeb verbirgt sich eine typisch afghanische Süßigkeit. Sie besteht aus roher Eimasse, die zu Fäden gezogen und um einen Stab gewickelt wird. Anschließend wird sie mit Sirup und Pistazien bedeckt. Desserts und Kuchen sind in Afghanistan jedoch ein seltener Luxus und eher besonderen Gelegenheiten vorbehalten.

Hungrig geworden? Wenn auch Du Dich mit uns auf eine kulinarische Reise begeben möchtest, dann bist Du herzlich eingeladen, zu unseren Veranstaltungen ins why not zu kommen. Die Termine findest Du auf unserer Facebookseite.

Text: Sophie Martin

Fotos: pixabay

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