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„Als ich zum ersten Mal zum Sprachcafé ins why not? in der Markstraße in Hamburg St. Pauli gekommen bin, wurde ich direkt mit offenen Armen empfangen“, erzählt Kirsten und lacht. Eigentlich hat die 50-Jährige mit ihrem Job in einer PR-Agentur im nahen Schanzenviertel genug Trubel um die Ohren. Und trotzdem versucht Kirsten jeden Montag um 18.30 Uhr zum Sprachencafé zu kommen. Weil sie Sprachen liebt. Und neugierig auf Menschen aus anderen Kulturen ist. Auch heute hat sie Kekse für sich und die Teilnehmer mitgebracht, bei etwas Süßem unterhält es sich leichter.

Kirsten ist jetzt seit September letzten Jahres dabei.

„Ich bin in der christlichen Gemeinde im Stadtteil Mundsburg aktiv, habe dort im Rahmen der Flüchtlingsproblematik vom why not? gehört. Da ich eine Affinität für Sprachen und fremde, ferne Länder habe, war für mich sofort klar: Das Sprachcafé muss ich mir anschauen!“

Und der Funke ist übergesprungen, Kisten kann hier optimal ihre Sprachkenntnisse einfließen lassen. Neben Englisch beherrscht sie Französisch, Spanisch, Italienisch, Türkisch und ein wenig Farsi.

„Oft unterhalten wir uns auch mit Händen und Füßen“, erzählt Kisten weiter, lacht erneut und nimmt sich einen Keks. Sie strahlt Lebensfreude aus, ihr Lachen ist ansteckend, man unterhält sich gerne mit ihr.

 

Inzwischen hat sich auch Adel an den ovalen, braunen Tisch gesetzt. Adel ist 22 und kommt aus Nordsyrien. Er ist jetzt seit einem Jahr und vier Monaten in Hamburg. Hier geht er zur Schule, besucht täglich einen Deutschkurs. Und er ist ehrgeizig: Das Niveau A2 hat er schon geschafft, sein Ziel, sein Wunsch ist es, die deutsche Sprache auf dem Niveau B2 zu beherrschen.Adel kommt aus Nordsyrien

„Ich profitiere sehr von dem Sprachcafé, denn es eröffnet mir die Möglichkeit, mich mit deutschen Muttersprachlern zu unterhalten. Sie können mich korrigieren, wenn ich Fehler mache, das ist mir sehr wichtig.“

Adel wollte Lehrer werden, hat in Syrien drei Jahre die Universität besucht, dann war er gezwungen, sein Heimatland zu verlassen. Er spricht Arabisch, Türkisch und ein ganz klein wenig Englisch. Oberste Priorität hat für ihn jetzt das Erlernen der deutschen Sprache. Sein Deutschkurs geht täglich von 11 bis 17 Uhr. Danach verbringt Adel Zeit in der Bibliothek um zu lernen, an manchen Tagen bis zu drei Stunden.

„Das Lerne bringt mir Spaß, ist aber auch sehr anstrengend. Aber ich weiß, wie enorm wichtig es ist. Danach koche ich oft, das entspannt mich, bringt mich runter. Und ich mische gerne traditionell syrisches Essen mit deutscher Küche.“

Ob er sein Land vermisst? Dazu schweigt Adel, äußert sich dann kurz:
„Die Lage in Syrien ist sehr schwierig, das Land hat viele Probleme. Deswegen bin ich froh, jetzt in Deutschland leben zu dürfen. Deutschland bedeutet Freiheit für mich. Hier gibt es viele Möglichkeiten, ich kann eine Perspektive entwickeln. Dafür bin ich dankbar.“

Adel hält inne, überlegt einen Moment, sucht nach den richtigen Worten, findet sie auf Deutsch nicht und wendet sich an Meshal, der die Spätschicht hat und hinterm Tresen arbeitet.

Es folgt ein kurzer Dialog auf Arabisch, dann dolmetscht Meshal, übersetzt ins Deutsche:

„Adel sucht ein Sprachtandem um sein Deutsch zu verbessern. Er möchte mehr sprechen.“

 

Und genau das ist die Intention des Sprachencafés: Es sollen Kontakte geknüpft werden, die Sprachpraxis soll trainiert und schlussendlich verbessert werden.

„Hier kann man auch Fehler machen, man muss keine Angst haben. Bei uns wird jeder akzeptiert, die Atmosphäre ist sehr familiär“, erläutert Kirsten, nippt an ihrem Wasserglas, fährt dann fort:
„Wer Deutsch lernen will, der muss sich mit der Sprache konfrontieren. Sei es beispielsweise durch Fernsehen, Zeitungslesen oder einfach dadurch, dass man unter Menschen geht. Dass man am Anfang nicht alles sofort versteht, ist völlig normal, davon darf man sich nicht entmutigen lassen.“

Mittlerweile ist es kurz vor acht und ein weiterer Flüchtling ist zu der Runde dazugekommen. Sein Name ist Amar und genau wie Adel kommt auch er aus Syrien. Amar spricht ein nahezu perfektes Deutsch. Und obwohl er erst seit zwei Jahren in Deutschland ist, befindet er sich derzeit auf dem hohen Niveau C1.

„Ich bin heute zum dritten Mal beim Sprachcafé“, fängt Amar an zu erzählen und schüttet ein wenig Zucker in seinen Tee, „würde gerne neue Leute kennenlernen. Denn ich bin erst seit Kurzem in Hamburg, habe vorher in Husum gewohnt, daher kenne ich in Hamburg fast niemanden.“

Warum spricht Amar schon so gut Deutsch?

„Ich mag Sprachen, es bringt mir Spaß, sie zu lernen. Und ich habe in Husum viel gearbeitet, vor allem in der Gastronomie, da muss man sich ja irgendwie verständigen, man muss sprechen, die deutsche Sprache anwenden. Meine Jobs haben unglaublich viel dazu beigetragen, dass ich das Deutsche jetzt so gut und professionell beherrsche.“

Doch im Sprachencafé wird nicht nur gesprochen, diskutiert und geübt. Es wird auch regelmäßig ins Kino gegangen, um unter anderem arabische Filmkunst anzuschauen. Zum Beispiel in dem kleinen, gemütlichen Programmkino B-Movie in der Brigittenstraße.

Wie viele Teilnehmer dann tatsächlich beim Sprachencafé dabei sind, kann man nie so richtig vorhersagen.

„Mal sind es 12, dann wieder nur drei“, so Kirsten. Doch wem es ähnlich geht wie Amar und Adel, wer sein Deutsch verbessern und in entspannter, freundlicher Umgebung sprechen möchte, der ist herzlich eingeladen immer montags in der Zeit von 18.30 bis 21.00 Uhr ins Café why not? zu kommen.

Das Sprachencafé unterliegt der Leitung von Anna Feistel.

 

Text und Fotos: Sophie Martin

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