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Natascha Peitsch (29) studiert expressive Kunst in sozialen Veränderungsprozessen in Hamburg und absolviert gerade ihr Praxissemester im why not?. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem Studiengang? Und was bedeuten die Kunst und das Malen für Natascha? Diese und weitere spannende Fragen beantwortet die junge Künstlerin in dem folgenden Interview.

 

Du studierst expressive Kunst in sozialen Veränderungsprozessen. Was genau muss man sich unter diesem Studiengang vorstellen?

„In diesem Studium lernt man, mit verschiedenen Künsten zu arbeiten, das Studium ist sehr intermedial ausgerichtet und fördert dabei soziale sowie künstlerische Interaktion und Kommunikation. Es soll eine fundierte künstlerische Ausbildung vermittelt werden, die praxisnah ist. Künstlerische Prozesse werden angedacht und durchgeführt, es leitet zu Kreativität an. Und dieser Studiengang lehrt verschiedene Künste.“

Welche Künste sind das?

„Mein Hauptfach ist bildende Kunst. Man kann nach dem ersten Semester wählen, ob man bildende Kunst oder Musik vertiefen möchte. Unter bildender Kunst verstehen wir unter anderem das Malen mit verschiedenen Farben oder auch das Errichten von Skulpturen aus unterschiedlicher Materialien wie zum Beispiel aus Holz. Ich muss an dieser Stelle hinzufügen, dass Kunststudiengänge im Allgemeinen immer sehr frei sind. Es ist wichtig, dass man sich selber mit den ganzen Materialien und Farben auseinandersetzt. Man muss einen Umgang damit finden und üben und sich nicht zuletzt die Frage stellen: Passt das zu mir? Des Weiteren werden Grundlagen in Performing Art, neue Medien oder auch Poesie vermittelt.“

Wieso hast du dich für dieses Studium entschieden?

„Für mich war schon immer klar, dass ich etwas Künstlerisches, etwas Kreatives machen möchte. Seit ich mich erinnern kann, habe ich gerne gemalt, gezeichnet, mit Farben experimentiert. Und selbstverständlich bringe ich ein großes Interesse an Kunst in ihrer ganzen Komplexität mit. Im Laufe der Zeit verbessert man die eigene Technik, man perfektioniert sie. Kunst hat auch immer viel mit Übung zu tun. Und mit dem Sehen, der Betrachtung von Dingen. Man muss viel ausprobieren, um den eigenen Stil zu finden. Hierfür bietet mein Studium einen geeigneten und guten Rahmen. Vorher hatte ich zunächst die Fachoberschule für Gestaltung besucht, weil mir ja bewusst war, dass ich etwas mit Kunst machen wollte. Während der Zeit dort wurde mir klar, dass ich gerne funktionale Dinge entwerfen möchte, Sachen, die nützlich sind. Also kam mir zunächst der Gedanke, Produktdesign zu studieren. Dieser Studiengang ist jedoch sehr, sehr theoretisch und ich wollte konkreter mit verschiedenen Materialien arbeiten, mit meinen eigenen Händen etwas schaffen, etwas kreieren. Also habe ich eine Ausbildung zur Möbeltischlerin absolviert. Der Werkstoff Holz hat mir hierbei äußerst gut gefallen und nach erfolgreichen Abschluss der Ausbildung habe ich mich nochmal intensiv mit dem Thema Studium beschäftigt. Ich war mir jetzt sicher, dass ich die Kunst gerne mit dem sozialen Aspekt, mit dem sozialen Faktor verbinden wollte. So kam ich letztendlich zu meinem jetzigen Studiengang. Denn ich will helfen, will mich für benachteiligte Menschen stark machen ohne mich dabei jedoch von der Kunst zu trennen.“

Du absolvierst dein Praxissemester im why not?. Warum dort?

„Mir gefällt der Auftrag des why not? Cafés, dass es sich aktiv für Integration einsetzt, für ein friedliches, harmonisches Miteinander verschiedenster Kulturen. Denn genau das ist auch mein Gedanke, diese Philosophie bin ich gerne bereit, zu unterstützen. Integration entsteht dadurch, dass Deutsche Geflüchteten helfen, sie offen aufnehmen, sich für sie stark machen. Dies wird genauso im why not? umgesetzt und gelebt.“

Wie gefällt dir die Arbeit im why not??

„Die Arbeit hier gefällt mir total gut, alles funktioniert, alles läuft. Ich fühle ich gut in die Gemeinschaft aufgenommen, werde akzeptiert und gemocht. Das mir meine Arbeit Spaß macht, das merken auch die anderen, das überträgt sich.“

Beschreib doch mal deine Tätigkeit im why not?!

„Oh, ich mache hier ganz unterschiedliche Sachen. Da das Café in der Marktstraßeja leider bald schließt, gebe ich sowohl den Gästen als auch den Mitarbeitern die Möglichkeit, sich auf künstlerische Art und Weise vom why not? zu verabschieden. Mir geht es hierbei vor allem darum, dass die eigene Kreativität entdeckt wird. Also leite ich an, gebe Impulse, stehe mit allen im Kontakt, im Austausch. Wir nutzen den Spiegelsaal für verschiedene künstlerische Projekte, wie zum Beispiel Fotocollagen oder gemeinsam bemalte Leinwände. Und mir fällt auf, dass es vielen der Menschen, die mir im Café begegnen, um Sprache geht. Deswegen sprechen wir gemeinsam Deutsch, ich korrigiere und verbessere. Ich finde das sehr wichtig, denn Sprache ist und bleibt nun mal der Schlüssel zu einer gelungenen und funktionierenden Integration. Wenn wir zusammen Kunst machen, dann müssen wir auch miteinander kommunizieren, daran führt kein Weg vorbei. Das ist gut und sinnvoll, es fördert den Lernprozess. Mein Job ist es vor allem, Anleitung zu geben und die Richtung zu weisen, damit die Leute sich nicht in ihren Ideen verlieren. Ich gebe praktische Tipps, die gut umsetzbar sind. Und ich möchte allem Beteiligten ein gutes Gefühl vermitteln, daran liegt mir persönlich sehr viel.“

Was für Kunst ersteht hierbei?

„Die Kunst, die hierbei entsteht, ist unvorhersehbar. Einige, die vorher von sich dachten, sie können gar nicht malen, sind positiv überrascht, dass sie es dann doch können. Viele der Bilder sind sehr bunt, wieder andere schwarz-weiß oder grau, wenn sie zum Beispiel mir Bleistift angefertigt wurden. Und es werden viele Gemeinschaftsprojekte durchgeführt. Das freut mich sehr, denn so etwas fördert immer das Gruppengefühlt, stärkt den Zusammenhalt.“

Wie wird dein Angebot angenommen?

„Auch das ist sehr unterschiedlich. Es gibt Tage, an denen sind ganz viele mit dabei, Tage, an denen wir sehr produktiv sind und an denen wir viel schaffen. Aber natürlich gibt es auch Tage, wo nur ein oder zwei Menschen im Spiegelsaal vorbeischauen und an denen dann halt nicht sehr viel passiert.“

Wann hast du angefangen, dich künstlerisch zu betätigen?

„Schon immer. Seit ich denken kann, habe ich gemalt und gezeichnet, mich für Farben und Techniken interessiert. Später habe ich dann in der Kunst meine Passion und meinen Ausgleich gefunden. Ich wurde dabei auch sehr von meiner Familie unterstützt. Dafür bin ich sehr dankbar.“

Was ist deine favorisierte Technik?

„Oh, das variiert von Zeit zu Zeit. Lange habe ich mich intensiv mit dem Bleistiftzeichnen beschäftigt, habe Dunkel und Hell staffiert, um dadurch plastische Gegenstände, Situationen darzustellen. Aber durch mein Studium habe ich mich auch wieder verstärkt mit Acrylfarben auseinandergesetzt.“

Und was ist deine Lieblingsfarbe?

„Blau ist meine absolute Lieblingsfarbe, das war schon immer so und das wird sich wohl auch in Zukunft nicht ändern. Warum das so ist, das kann ich gar nicht so genau sagen. Fest steht aber, dass ich Blau einfach liebe!“

Was bedeutet Kunst für dich?

„Das Gute an Kunst ist, dass man gar nicht so genau sagen, was Kunst nun eigentlich ist. In der Kunst gibt es kein Richtig oder Falsch, sondern nur verschiedene Perspektiven. Das ist es, was ich an der Kunst so liebe! Kunst bedeutet immer Freiheit. Das Wichtigste ist, dass man selber gut findet, was man macht. Und genau darauf kommt es mir an, wenn ich mit den Menschen hier im why not? arbeite. Sie sollen selber entscheiden, was sie machen wollen und dann auch dahinterstehen und die eigene Arbeit gut finden, mit ihr zufrieden sein.“

Kannst du immer malen oder musst du in einer bestimmten Stimmung sein?

„Ich muss nicht in einer bestimmten Stimmung sein, aber ich kann es auch nicht erzwingen, zu malen, Kunst zu produzieren. Wenn man mir zum Beispiel ein Thema vorgibt, zu dem ich etwas malen soll, dann funktioniert dies oft nicht, da ich mich viel zu eingeschränkt fühle. Ich muss mir selber aussuchen können, zu was und wann ich Kunst mache. Ich brauche Freiheit, um malen zu können. Mit Zwang und Druck kann ich nicht gut umgehen. Ein bisschen Vorgabe dagegen ist schon okay, das braucht jeder, auch ich. Denn sonst fange ich ganz viele Sachen an und bringe nichts richtig zu Ende.“

Du vertrittst die Auffassung, dass jeder malen kann. Ist das so?

„Ja, das ist auf jeden Fall so. Es gibt nur den Unterschied, ob man sich schon viel und auch schon früh damit auseinandergesetzt hat und ob die künstlerischen Bemühungen auch unterstützt wurden. Des Weiteren glaube ich, dass sich die Menschen selber viel zu viel Druck machen. Das blockiert, schränkt die eigene Kreativität ein.“

Was sind deine Pläne für die Zeit nach dem Studium?

„Wenn ich ehrlich sein soll, dann habe ich noch keine richtige Idee. Aber ich würde gerne weiter mit Flüchtlingen arbeiten. Und natürlich mit Kunst!“

 

Das Interview führte Sophie Martin

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