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Was für Herausforderungen birgt die Tätigkeit als Pfarrer? Welche Menschen begegnen einem bei dieser Arbeit? Und wie lebt man den christlichen Glauben selber Tag für Tag? Diese und weitere spannende Fragen beantwortet Pfarre Robin Staffen in dem folgenden bewegenden, ehrlichen und höchst aufschlussreichen Interview!

 

Mögen Sie sich einmal kurz vorstellen?

„Mein Name ist Robin Staffen, ich bin 26 Jahre alt und komme ursprünglich aus der Nähe von Stuttgart, wohne jetzt in Hamburg und bin seit einem Jahr verheiratet. Ich habe insgesamt sechs Jahre Theologie an verschiedenen Bibelschulen studiert und arbeitet zurzeit als Pfarrer.“

 

Was unterscheidet eine solche Bibelschule von einer herkömmlichen Universität?

„Das akademische Niveau an einer Bibelschule ist genau so hoch wie an einer normalen Universität. Der Unterschied ist aber, dass die Dozenten an der Bibelschule alles gläubige Christen sind. An einer Hochschule ist dies nicht zwangsläufig der Fall.“

 

Seit wann arbeiten Sie für die City Church Hamburg?

„Im März sind es drei Jahre. Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht!“

 

Wie genau sehen Ihre Tätigkeiten in dieser Gemeinde aus?
„Meine Arbeit hier ist ziemlich vielfältig. Ich wurde angestellt, weil ich neben Deutsch und Englisch auch fließend Spanisch spreche. Somit arbeite ich sowohl für die spanischsprechende Gemeinde als auch für die deutsch- und englischsprachige. Primär bin ich jedoch für die junge Generation zuständig, für die heranwachsenden Jugendlichen. Mein Aufgabenspektrum besteht zum Größenteil aus dem Aufbau von persönlichen Beziehungen. Darüber hinaus übernehme ich oft seelsorgerische Tätigkeiten, höre einfach nur zu, erteile Ratschläge. Ich biete also meine Hilfe an und wer mag, kann diese annehmen. Ich versuche dann, den Jugendlichen einen Impuls zu geben. Manchmal kann ich aus Erfahrung sprechen. Oder ich vermittle weiter, was ich in der Bibelschule gelernt habe. Und wir haben jeden Mittwoch um 20 Uhr einen Gottesdienst speziell für Jugendliche. Dort predige ich dann im klassischen Sinne.“

 

Wie lange dauert es, eine solche Predigt vorzubereiten?

„Das ist ganz unterschiedlich. Meistens suchen wir uns für jeden Monat ein Thema aus, welches wir dann den ganzen Monat lang behandeln. Für den Januar haben wir aktuell das Thema: Restart, Refresh. Was für Ziele setzte ich mir? Wo möchte ich hin? In meinen Predigten versuche ich Orientierung zu geben, möchte, dass die Jugendlichen inspiriert werden, ihren eigenen Weg zu finden. Manchmal geht es schnell, eine solche Predigt zu schreiben, dann wieder dauert es Stunden. Das kann ich so pauschal jetzt wirklich nicht sagen.“

 

Was gefällt Ihnen an Ihrer Tätigkeit als Pfarrer?

„Es ist gerade die Abwechslung, die meinen Beruf so spannend, so erfüllend macht! Mein Tagesablauf ist eher unstrukturiert, jeder Tag ist anders. Klar habe ich meine fixen Veranstaltungen jede Woche, aber wen ich wann und wo treffe, das ist immer unterschiedlich. Manchmal kommt noch kurzfristige etwas dazu oder ein Termin fällt spontan aus. Man muss also flexibel sein. Und ich mag es, Menschen Gott näher zu bringen, ihnen die Bibel zu lehren. Natürlich gefällt es mir darüber hinaus, Menschen zu helfen, sie ein Stück au ihrem Weg zu begleiten. Seit kurzem helfe ich in der Drogenhilfe Dynamis in Blankenese aus, wann immer es meine Zeit zulässt. Dort leben junge Drogenabhängige gemeinsam in einer Villa. Mir geht es in meiner Arbeit dort vor allem darum, die Jugendlichen kennenzulernen, ihnen ein offenes Ohr zu schenken. Dabei versuche ich, sie so anzunehmen, wie sie sind, mit der Liebe, die ich von Gott bekomme. Ich bin also der erste Begegnungspunkt, den dieser Mensch mit Gott hat. Und ich gebe ihm die Liebe Gottes weiter indem ich einfach nur zuhöre, Betroffenheit und Anteilnahme zeige. Ich für mich habe meine Berufung, meinen Traumjob gefunden. Es fühlt sich alles gut und richtig an.“

 

Wurden Sie religiös erzogen?

„Religiös ist vielleicht der falsche Begriff, denn er wird heutzutage oft als etwas Negatives angesehen. Ich verwende lieber den Begriff gläubig. Und ja, ich bin in einem gläubigen Haushalt großgeworden. Aber für meine Eltern war damals alles ganz neu, sie sind erst zum Glauben gekommen, als ich geboren wurde. Sie selber sind also nicht mit dem Glauben großgeworden. Als sie mich nach christlichen Werten erzogen haben, war dies für sie eine ganz neue Erfahrung.“

 

Wann war Ihnen Gott zum ersten Mal nahe?

„Ich habe mich taufen lassen, als ich elf Jahre alt war. In diesem Moment habe ich die Präsenz Gottes ganz deutlich gespürt, dass er mir zuspricht, dass ich zu ihm gehöre, dass ich sein Kind bin. Das war ein sehr starker, sehr intensiver Moment für mich. Von da an war mir klar, dass ich den christlichen Weg weitergehen möchte.“

 

Was bedeutet Glaube für Sie persönlich?

„Glaube ist für mich immer ein Beziehungsstatus. Es geht für mich nicht um Religiosität oder Regeln oder Gebote, die ich zu erfüllen habe. Natürlich hat auch jede Beziehung Regeln, das sehe ich ja auch an meiner eigenen Ehe. Aber meine Ehe dreht sich nicht in aller ersten Linie um diese Regeln, sondern um die Liebe, die ich zu meiner Partnerin habe. Mein Glaube also dreht sich um die Beziehung und Liebe zu Gott, das steht an erster Stelle.“

 

Wie integrieren Sie den Glauben in Ihren Alltag?

„Ich versuche jeden Tag in der Bibel zu lesen, habe auf meinem Handy sogar eine Bibel App, konsumiere die Bibel also ganz modern. Dadurch, dass meine Frau auch gläubig ist, lesen wir oft gemeinsam in der Bibel. Natürlich versuchen wir auch, regelmäßig gemeinsam zu beten, in der Regel dauert dies so eine Stunde, dabei hören wir auch gerne biblische Musik. Ich vertrete die Auffassung, dass, wenn ich über Gott predige, dies nur geht, wenn ich meine eigene Beziehung zu Gott pflege.“

 

Welche christlichen Werte sind für Sie von besonderer Bedeutung?
„Ich denke, dass Treue und Vertrauen zwei wirklich wichtige Dinge sind, denn sie sind das Fundament jeder gesunden Beziehung. Wir lernen das vor allem dadurch, dass Gott uns immer treu ist, egal, was wir machen oder welchen Weg wir gehen, sogar auch dann noch, wenn wir selbst untreu sind. Es gibt mir ganz viel Kraft, Treue und Vertrauen aktiv zu leben, gegenüber Gott, aber auch gegenüber meinen Mitmenschen. Denn es schafft einen gesunden, sicheren Schutzrahmen, um wirkliche, wahrhaftige Beziehungen gedeihen zu lassen. Das beste Beispiel hierfür ist wieder die Ehe: Wer in seiner Ehe ein wunderbares Vertrauen sowie Treue hat, dann ist dies der Nährboden für eine noch viel wunderbarere Liebe! Und genau das wünscht sich eigentlich jeder Mensch und doch lebt die heutige Gesellschaft den Gegentrend, es ist die Generation maybe, für die alles unverbindlich und locker ist. Wir denken, dass Treue und Verbindlichkeit Dinge sind, die uns einschränken, die uns Möglichkeiten rauben. Das ist ein Trugschluss unserer Zeit.“

 

 Sie sind Christ. Wie ist Ihr Verhältnis zu den anderen Weltreligionen?

„In meiner Zeit an der Bibelschule waren die Weltreligionen natürlich auch Thema. Wir haben sowohl alle monotheistischen Religionen wie den Islam oder das Judentum, als auch die großen polytheistischen Religionen behandelt. Mein grundsätzliches Gebot ist es erstmal, jeden Menschen zu lieben, egal welche Gesinnung er hat. Ich nehme jeden Menschen so an, wie er ist, das heißt aber nicht, dass ich zwangsläufig auch das annehme, was er tut oder wie er handelt. Denn: Toleranz darf nicht falsch verstanden werden und ich muss nicht alles gutheißen, was jemand so macht. Aber ich muss den Menschen akzeptieren, ich muss versuchen, ihn zu verstehen, muss Akzeptanz für ihn haben. Es ist aber berechtigt, auch Zweifel, auch Kritik zu haben. Und insofern bin ich anderen Religionen gegenüber eher kritisch eingestellt.“

 

Wie ist Ihre Beziehung zu Atheisten?

„Oh, ich bin mir sicher, dass jeder Mensch an etwas glaubt, auch Atheisten. Jeder Mensch lebt in einer Annahme und irgendeine Weltanschauung definiert sein Handlungsspektrum. Wie für alle anderen Menschen auch, liebe und akzeptiere ich selbstverständlich auch Atheisten.“

 

Ist die christliche Religion eine Religion des Friedens?
„Ja, ich denke, dass die christliche Religion ein Angebot des Friedens ist. Gott ist ja durch Jesus Christi selbst Mensch geworden und hat sich somit auf eine Ebene mit uns gestellt. Er hat uns das ultimative Friedensangebot gegeben. Keine andere Religion und keine andere Weltanschauung begeben sich auf das Niveau eines Menschen. Ich bin mir daher absolut sicher, dass die christliche Religion definitiv eine Religion des Friedens ist! Aber wenn wir Menschen den Frieden nicht annehmen, dann kann er sich nicht durchsetzen. Stellen wir uns an dieser Stelle zwei Menschen vor. Der erste will in Frieden mit dem anderen leben, der zweite jedoch will Feindschaft, dann kann es in dieser Konstellation keinen Frieden geben.“

 

Wie definieren Sie den Begriff Frieden?

„Frieden ist der Wegfall von Furcht und Sorge und er ist das Gegenteil von Gewalt und Krieg. Letztendlich glaube ich, dass Angst und Unsicherheit große Faktoren sind. Was wir uns am meisten wünschen, ist Frieden für uns und unsere Seelen, hinzukommt, dass wir frei von Angst sein wollen. Angst ist kein guter Ratgeber, sie bringt uns dazu, schlechte, falsche Entscheidungen zu treffen. Frieden kann sich nur durch den Glauben an Gott durchsetzen.“

 

Sie sind dreisprachig aufgewachsen, haben lange Zeit in Spanien gelebt und waren dort auf einer englischsprachigen Schule. Wo fühlen Sie sich zuhause?

„Für viele ist Zuhause ein geografischer Ort, das habe ich selber nicht so erlebt, weil ich schon in jungen Jahren viel umgezogen bin, auch innerhalb Spaniens habe ich oft den Wohnsitz geändert, insgesamt war ich neun Jahre in Spanien. Mit 18 bin ich dann alleine, ohne meine Eltern zurück nach Deutschland. Ich kann letztendlich überall zuhause sein und ich liebe es, unterwegs zu sein, reise sehr gerne. Manche Menschen brauchen die Beständigkeit, ich brauche die Dynamik. Wenn ich zu lange an einem Ort bin und nicht zwischendurch woanders hingehe, dann habe ich das Gefühl, es fehlt etwas. Dadurch, dass der Friede Gottes mich überall hinbegleitet, kann ich auch überall zuhause sein. Egal wo ich mich also aufhalte, ich finde diesen Frieden und ich fühle Geborgenheit. Mein geistliches Zuhause trage ich immer in mir, so dass ich geografisch ungebunden bin. Und natürlich fühle ich mich überall dort zuhause, wo meine Frau ist!“

 

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

„Pläne schmiede ich natürlich in Absprache mit meiner Frau, denn ich sehe uns als eine Einheit. Sie begleitet mich in allem was ich tue, dafür bin ich ihr sehr dankbar. Momentan kann eigentlich alles so bleiben, wie es ist. Aber ich würde mir wünschen, dass noch mehr Menschen dadurch geholfen wird, dass sie die Liebe Gottes erfahren dürfen. Und selbstverständlich möchte ich meine eigene Beziehung zu Gott intensivieren!“

Das Interview führte Sophie Martin

Fotos: Edy Tavares Moniz

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