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Wie vergangene Woche berichtet, nehmen rechtsextremistisch motivierte Straftaten in Deutschland stetig zu, Parteien und Gruppierungen wie die AFD oder PEGIDA wachsen beständig und werden immer beliebter. Eine Organisation, die sich diesem erschreckenden Trend entschieden entgegenstellt, ist die Antifa. Doch wie ist die Antifa aufgebaut? Seit wann gibt es sie in Deutschland? Was sind ihre Überzeugungen und Ziele, wofür kämpft sie? Und warum polarisiert gerade die autonome Antifa so stark? Antworten gibt es hier:

 

Die Anfänge der Antifaschistischen Aktion: Von der Weimarer Republik bis zum Ende des zweiten Weltkrieges

Der Begriff Antifa ist ein Akronym für Antifaschistische Aktion. Antifa-Gruppierungen existieren seit den 80er Jahren. Sie umfassen linksgerichtete, linksradikale und autonome Gruppen und Organisationen. Die Antifa bekämpft dabei Neonazismus, Antisemitismus, Rassismus und völkischen Nationalsozialismus. Im Fokus steht hier vor allem der Einsatz gegen das Relativieren, das Rechtfertigen und das Verharmlosen des Holocaust.

Das Logo der Antifa zeigt eine große rote Fahne und eine kleinere, schwarze. Das Rot steht für den Sozialismus und den Kommunismus, das Schwarz symbolisiert den autonomen Anarchismus. Beide Fahnenstangen zeigen nach rechts.

 

Die Anfänge der Antifa gehen zurück in die Zeiten der Weimarer Republik. Seit 1923 forderten viele Linke gemeinsame antifaschistische Aktionen um die drohende Machergreifung der NSDAP zu verhindern. Die betroffene Linke war sich einig, dass die Machtergreifung fatale Folgen für die Demokratie aber auch für die Arbeiterbewegung haben würde.

Die SDP und auch die KPD gründeten daraufhin eigene, antifaschistische Kampfbünde. Untereinander jedoch waren sie verfeindet, standen sich programmatisch unversöhnlich und unvereinbar gegenüber.

Im Juni 1932 rief die KPD eine Antifaschistische Aktion aus, die jedoch von der SPD abgelehnt wurde, sodass sie für die Reichstagswahl im Juli weitestgehend erfolglos blieb.

 

Nach Ende des zweiten Weltkrieges kam es zur Bildung zahlreicher Antifaschistischer Aktionsausschüssen in den vier Besatzungszonen durch die wenigen überlebenden Antifaschisten. Ihr gemeinsames Ziel war die Entnazifizierung der deutschen Gesellschaft. Außerdem wollten sie eine Spaltung der Linksparteien verhindern.

Diese Antifaschistischen Aktionsausschüsse wurden jedoch nach nur wenigen Monaten wieder verboten und aufgelöst. Jetzt übernahm zwar das Grundgesetz das Verbot aller faschistischen Organisationen, die Bundestagsparteien jedoch gaben dem antifaschistischen Nachkriegskonsens nach einer gesellschaftlichen Umgestaltung weitestgehend auf.

 

 

Die 1970er Jahre: Der Kommunistische Bund (KB) mobilisiert die Linke

1971 entwickelte der in Norddeutschland verankerte Kommunistische Bund (KB) ein neues Aktionskonzept, welches zum Ausgangspunkt für die Antifa-Bewegung wurde. Der KB organisierte regionale und lokale Initiativen gegen Naziaufmärsche. Diese Initiativen waren für Antifaschisten aller Art offen. Dennoch wollte KB unabhängig bleiben und keine Bündnisse mit anderen Gruppierungen eingehen.

Der KB war in seiner Herangehensweise ziemlich militant. Die von ihm organisierten Proteste schlossen oft auch direkte Konfrontationen mit den Neonazis und der Polizei ein.

Außerdem veröffentlichte der KB Informationen zur Struktur rechtsradikaler Gruppen um aufzudecken, wie diese organsiert und aufgestellt sind. Er nannte dabei Unterstützer und zeigte die Vernetzung mit staatlichen Behörden auf.

1974 gründete der KB eine zentrale Antifa-Kommission für den bundesweiten Kampf gegen organsierte Neonazis und deren Veranstaltungen. Diese Kommission recherchierte systematisch, um faschistische Strukturen aufzudecken. Besonders die Autonomen waren hier stark involviert. Drei Jahre später publizierte die Kommission Informationen zur Aktionsfront Nationaler Sozialisten (ANS), einer Gruppierung, die den Holocaust öffentlich verherrlichte. Diese Publikation fand internationales Medieninteresse. 1978 wurde schließlich die Führungsriege der ANS um Michael Kühnen verhaftet. Dennoch dauerte es bis 1983, bis die ANS endgültig verboten werden konnte.  

Trotz eines Demonstrationsverbot zeigte der KB am 17. Juni 1977 mit 1000 Antifaschisten Präsenz bei dem Deutschlandtreffen der NPD in Frankfurt. Die NPD war mit ca. 3000 Teilnehmern vertreten. Der Protest verlief weitestgehend friedlich. Doch schon ein Jahr später mobilisierte der KB 10.000 Demonstranten. Erstmals traten die Antifaschisten hierbei als Schwarzer Block auf. Sie besetzten das Frankfurter Rathaus und es kam zu gewaltvollen Ausschreitungen mit der Polizei, bis diese das Rathaus schließlich räumte.

1979 feierte das erste Rock gegen Rechts Konzert Premiere, organisiert vom KB. Etwa 50.000 Antifaschisten aller Spektren waren anwesend. So gelang es dem KB, die alternative Kulturszene in die Antifa-Bewegung zu integrieren und das mit Erfolg: Die NPD-Treffen wurden daraufhin verboten.

 

 

Die 1980er Jahre: Gründung des norddeutschen Antifa-Treffens und des Antifaschistischen Infoblattes

Zu diesem Zeitpunkt verbreitete sich die autonome Bewegung rasant in den westlichen Staaten. Die Autonomen vertraten hierbei eine antistaatliche sowie antikapitalistische Haltung. In Deutschland engagierten sie sich zunächst in der Anti-Atomkraft-Bewegung, in der Friedensbewegung, im Widerstand gegen die Startbahn West sowie bei Hausbesetzungen.

1980 startete die KPD die Kampagne Stoppt Strauß!. Sie wollte damit die Kanzlerkandidatur von Franz Josef Strauß zur Bundestagswahl verhindern. Strauß hatte unter anderem die Bundeswehr mit Atomwaffen aufrüsten wollen, unterstütze darüber hinaus den chilenischen Militärdiktator Pinochet und sprach sich im Deutschen Herbst 1977 für die Erschießung der RAF-Gefangenen aus. Die KPD verteilte daraufhin Anstecker mit der Stoppt-Strauß-Parole sowie dem Antifa-Logo.

Am 21. November 1981 lud der KB autonome Antifa- Gruppen nach Hannover ein. Zusammen mit der Sozialistischen Arbeitergruppe (SAG) und der Volksfront der KPD gründeten sie das Norddeutsche Antifa-Treffen zum regelmäßigen Informationsaustausch sowie zum Verabreden gemeinsamer Aktionen.

Während die SAG und auch die Volksfront schon bald wieder ausschieden, kam 1982 die Antifaschistische Aktion Hamburg hinzu. Sie betrieb – ähnlich wie der KB – vor allem Recherchen. Ziel war es hierbei, die Drahtzieher der rechtsextremen Szene ausfindig zu machen, die Funktionäre rechter Parteien und Gruppierungen zu benennen und ihre Kontakte und Verbindungen aufzudecken.

Gezielte Aktionen sollten die Treffen der Neonazis durch Angriffe auf deren Veranstaltungsorte stören und verhindern.

Schon damals geriet der KB in die Kritik: Er sei nur auf Schlägereien mit den Nazis aus. Diesen Vorwurf nahm die Antifa Hamburg zum Anlass, um den Kampf gegen die Nazis mit dem Kampf gegen den sogenannten „imperialen Herrschaftsapparat“ zu verbinden. Außerdem wollte sie so einer Zersplitterung der verschiedenen autonomen Gruppen entgegenwirken.

Im Mai 1983 griffen militante, norddeutsche Antifa - Gruppen Nazis bei einer DBG – Kundgebung gegen ein Veteranentreffen der SS – Division Totenkopf an. Die Situation eskalierte, es kam zu gewaltvollen Ausschreitungen mit der Polizei. Nur wenige Wochen später besetze die norddeutsche Antifa einen von Neonazis angemieteten Raum in Celle. Als die Polizei diesen räumen wollte, kam es erneut zu einer Eskalation.

Rund 2500 Antifaschisten, darunter auch viele Autonome, demonstrierten im Oktober 1983 gegen den NPD-Parteitag in Bad Fallingbostel, um diesen zu blockieren. Sie griffen Rechtsextreme und deren PKW an, auch diese Demo endete in Gewalt. Der KB distanzierte sich daraufhin von der Antifa. Kurze Zeit später wurde er zunächst aus der norddeutschen Antifa gedrängt, später verlor er auch

bundesweit an Einfluss.

1987 gründeten Autonome in Berlin das Antifaschistische Infoblatt und das Antifaschistische Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin (APABIZ). Das Infoblatt jedoch druckte keine Anschlagserklärungen ab. Die autonome Antifa benutzte hierfür die in Deutschland verbotene Zeitschrift radikal, die aus dem Ausland heraus betrieben wurde.

Die deutschen Staatsbehörden durchsuchten hunderte Buchläden und Mietwohnungen, 192 Ermittlungsverfahren  wurden eingeleitet, fünf Personen inhaftiert.

 

 

Die 1990er Jahre: Sowohl linke als auch rechte Ausschreitungen nehmen massiv zu – die Situation in Deutschland droht zu eskalieren

Als sich im Jahr 1990 die Sowjetunion auflöste, parallel dazu der Warschauer Pakt für beendet erklärt wurde und man in Deutschland die Wiedervereinigung feierte, änderte sich die politische Gesamtsituation elementar. Der deutsche Nationalsozialismus begann wieder zu wachsen und fremdenfeindliche Straftaten stiegen rasant an. Waren es 1991 noch 2426 Delikte, vervielfachte sich dieser Wert ein Jahr später schon auf 6376. Die Täter nutzen die deutsche Wiedervereinigung für Angriffe auf Einwanderer, Ausländer, Homosexuelle und Linke.

Bis 1994 wurden bundesweit 80 Menschen aus rassistischen Motiven ermordet. Sie erhielten sehr milde Haftstrafen, für den Fall, dass sie überhaupt gefasst wurden. Aber auch Polizeiübergriffe gegen Einwanderer nahmen stetig zu.

Im September 1991 kam es zu massiven Ausschreitungen in Hoyerswerda, einer Kleinstadt in Sachsen. Ein Flüchtlingswohnheim wurde mit Brandsätzen angegriffen. Diese Pogromartigen Ausschreitungen bildeten den Auftakt zu einer Serie ausländerfeindlicher Übergriffe in ganz Deutschland.

Im August 1992 kam es zu Tumulten vor der Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber (ZAst) und einem Wohnheim für ehemalige vietnamesische Vertragsarbeiter in Rostock-Lichtenhagen. Auch hier eskalierte die Situation.

Es waren die schlimmsten, rassistisch motivierten Angriffe in der Nation seit Ende des zweiten Weltkrieges, die ihren Höhepunkt im Mordanschlag von Mölln fanden. Dieser Anschlag wurde von den Neonazis Michael P. und Lars C. verübt. Zwei Mädchen im Alter von zehn und vierzehn Jahren sowie ihre 51jährie Großmutter kamen ums Leben, als Michael P. und Lars C. mehrere Molotowcocktails in ihr Haus warfen. Lars C. wurde nach Jugendstrafrecht zu zehn Jahren Haft, Michael P. zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Als eine erste Konsequenz schränkten CDU/CSU, die FDP und die SPD das Asylrecht mit dem Asylkompromiss vom 6. Dezember 1992 stark ein. Daraufhin fürchteten zahlreiche Autonome ein erneutes Aufkommen des deutschen Faschismus, gegen den Störungen bei Nazitreffen wohl nicht mehr ausreichen würden. Es entstanden bundesweit viele neue Antifa-Gruppen.

Im Juli 1992 gründen elf Teilnehmer der „Demonstration gegen Faschismus und Polizeiterror“ aus der Silvesternacht 1991/92 die Antifaschistische Aktion/ Bundesweite Organisation (AA/BO). Deren Publikationen wurden einheitlich mit dem schwarzroten Antifa-Logo ausgewiesen. Die AA/BO stand für Erneuerungen. Sie wollte unter anderem eine feste Gruppenstruktur mit verantwortlichen Ansprechpartnern durchsetzen, machte sich darüber hinaus stark für eine Öffnung für die Massenmedien und wollte eine geregelte, überregionale Zusammenarbeit etablieren.

1993 entstand aus der Kritik an der AA/BO heraus das Bundesweite Antifa Treffen (B.A.T.). Es betrieb Recherche, Archivarbeit und koordinierte Aktionen gegen Neonazitreffen.

Im Rahmen der AA/BO – Kampagne „Gegen die faschistischen Zentren vorgehen“ fanden mehrere große Demonstrationen gegen Neonazitreffpunkte unter anderem in Adelebsen (20. März 1993), in Mainz-Gonsenheim (17. April 1993), in Detmold-Privitsheide (5. Februar 1994) und in Northeim (4. Juni 1994) statt.

Im Juli 1994 wurden 32 Autonome von der Staatsanwaltschaft wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung und wegen der Werbung für die RAF angeklagt.

Daraufhin kam es im August zur Gründung der Antifaschistischen Aktion `94, die dezentral mit der AA/BO und dem B.A.T. zusammenarbeitete.

Im Zeitraum 1992 bis 1995 wurden insgesamt zehn Neonazigruppen verboten, so dass ihre Präsenz in der Öffentlichkeit rapide abnahm, was wiederum zur Folge hatte, dass mehrere Antifa-Gruppen sich auflösten.

Doch der Schein trog: im Oktober 1997 begann die deutsche Neonaziszene sich erneut zu radikalisieren. Sie bildete die äußerst gewaltbereiten, Freien Kameradschaften und eine Anti-Antifa.

Aus diesen Gruppen entstand 1997 die von Verfassungsschutzagenten durchsetzte und von diesen mitfinanzierte Kaderorganisation Thüringer Heimatschutz (THS) und 1998 schließlich die Terrororganisation Nationalsozialistischer Untergrund (NSU).

Am 1. Mai 1998 kam es zu einer NPD-Großkundgebung beim Völkerschlachtdenkmal in Leipzig. Die circa 5000 Neonazis wurden von einer wesentlich größeren Menge autonomer Linker erwartet. Es kam zu massiven Ausschreitungen zwischen der Polizei und den Autonomen, die in Straßenschlachten mit brennenden Barrikaden und Autos endeten. Das BKA ließ daraufhin Wohnungen von mutmaßlichen Autonomen in ganz Deutschland durchzusuchen, in der Hoffnung, Beweise für die Bildung einer terroristischen Vereinigung zu finden.

Vom 2. bis zum 5. Juli 1998 führte die AA/BO auf der Burg Ludwigstein das Camp „Organisiert den revolutionären Widerstand“ durch. Ziel war es, den einzelnen Antifa-Gruppen neue Impulse zu geben. Es folgte 1999 die Kampagne „Den rechten Vormarsch stoppen! Antifa Offensive `99“. Mehr als 40 Antifa-Gruppen engagierten sich mit Camps, Konzerten oder Infoveranstaltungen.  Im selben Jahr startet die Kampagne „kein mensch ist illegal“. An den jährlichen Grenzcamps beteiligten sich auch autonome Antifa – Gruppen. Gemeinsam gaben sie 1999 ein Handbuch mit dem Kampagnenmotto heraus. 2000 folgte ein Sammelband über Selbstorganisation und Unterstützungsprojekte für ohne Papiere in Europa lebende Menschen.  

 

 

Anfang der 2000er Jahre: Die Antifa droht zu zersplittern

Im Oktober 2000 kam es zu einem Brandanschlag auf die Neue Synagoge in Düsseldorf. Der Journalist und damalige Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Jürgen Spiegel, forderte von der Politik, ein deutliches Zeichen der Solidarität mit den Juden zu setzten. Darauf reagieret Bundeskanzler Schröder und rief prompt den „Aufstand der Anständigen“ aus. Dieser sollte Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus zurückdrängen. Viele Jugendprojekte erhielten nun Gelder von Bund, Land und den Kommunen. Teile der Antifa unterstützen diesen „Aufstand der Anständigen“, der Großteil jedoch grenzte sich deutlich ab.

Die AA/BO versuchte durch die öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema, ihr Konzept bekannter zu machen. Am 7. Oktober 2000 äußerte die Antifaschistische Aktion Berlin (AAB) die Parole „Weg mit der NPD-Zentrale und dem Abschiebeknast“. Sie erhoffte sich so, den staatlichen Rassismus angreifen zu können. Unterstützt wurde die AAB hierbei durch das Bündnis gegen Rechts (BgR).

Im April 2001 veranstaltete die autonome Antifa zusammen mit der AAB und dem BgR einen Kongress in Göttingen mit 600 Teilnehmern. Dabei gründeten sie das von nun an vierteljährlich erscheinende Theorie- und Diskussionsmagazin „Phase 2“. Die AA/BO löste sich jedoch kurz darauf auf, um eine angestrebte, bundesweite Neuorganisierung möglich zu machen. Diese wurde jedoch verhindert. Ursache war der Konflikt mit den Antideutschen, einer Strömung, die aus der Kampagne „Nie wieder Deutschland“ der radikalen Linken von 1990 hervorgegangen war.

Die Antideutschen solidarisierten sich mit Israel und befürworteten den Eingriff der USA in den zweiten Golfkrieg und Israels Maßnahmen gegen die Zweite Intifada. Die Zweite Intifada bezeichnet hierbei den gewaltsamen Konflikt zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften im Zeitraum von September 2000 bis Februar 2005. Aber auch den Krieg in Afghanistan seit 2001 befürworteten die Antideutschen. Nach den Terroranschlägen des 11. Septembers 2001 setzten die Antideutschen Kritik an den Interventionskriegen der USA mit Antiamerikanismus und latenten Antisemitismus gleich. Wie zum Trotz trugen sie demonstrativ Israel- und US-Flaggen.

An diesen Konflikten zerbrachen viele Antifa-Gruppen.

Seit 2002 bekämpften Antifa-Gruppen verstärkt das vom Bund der Vertriebenen (BdV) unterhaltene Zentrum gegen Vertreibungen. Sie kritisierten die Gleichstellung der deutschen Vertriebenen und Opfer des Bombenkrieges mit den Opfern der NS-Verbrechen als Relativierung des Holocaust und als Täter-Opfer-Umkehr.

Doch seit Ende 2005 haben sowohl die Antideutschen als auch die Antiimperialisten in der Antifa-Bewegung erheblich an Bedeutung verloren.

 

 

Ab 2010: Die Antifa feiert kleine Erfolge – Nazidemos werden zerschlagen, rechte Gruppierungen lösen sich auf

Am 13. Februar 2010 vereitelte das Bündnis Dresden Nazifrei erstmals zusammen mit dem Blockadebündnis No pasarán den Aufmarsch tausender Neonazis in Dresden. Ihre Anreise wurde mit Bahntrassenblockaden verhindert, die Marschroute der Nazis wurden durch Sitzblockaden, Barrikaden und Menschenketten blockiert. Insgesamt waren mehr als 12.000 Linke an dem Spektakel beteiligt und dass, obwohl die Aktionen gerichtlich verboten waren. Die Polizei war gezwungen, die Neonazis zur Heimreise aufzufordern. Dadurch war der Marsch für die Nazis nicht länger attraktiv: Ein Jahr später waren es nur noch an die 500 Rechten, die nach Dresden reisten.

2013 gerieten die Aktivitäten der Rechtsrock-Band Weisse Wölfe in das Visier der Antifa. Eine Hamburger Antifa-Gruppe veröffentliche nach intensiver Recherche Namen, Kontaktadressen, Fotos und Treffpunkte der 1996 gegründeten Band im Internet und das mit Erfolg: die Weissen Wölfe stellten daraufhin ihre Aktivitäten weitestgehend ein.

Im Oktober 2015 wurde die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker wurde von Frank Steffen mit einem Messer angergriffen und lebensgefährlich verletzt. Am 17. Oktober veröffentlichte die Antifa Bonn/Rhein Fotos einer rechtsradikalen Demonstration. Auf diesen Fotos war Frank Steffen zu sehen. Die Kölner Polizei ging daraufhin von einer politisch motivierten Tat aus, hatte sie doch zunächst angenommen, Steffen sei psychisch krank.

 

 

Antifa aktuell: Die autonome Linke und der Verfassungsschutz

In Deutschland existieren derzeit mehr als 100 lokale und regionale Antifa-Gruppen, die den gesamtgesellschaftlichen Rassismus zum Hauptthema ihrer Aktionen machen. Aktuell leisten diese Gruppen Erinnerungsarbeit, arbeiten die NS-Geschichte auf, vermitteln Wissen über den Holocaust weiter und befassen sich darüber hinaus mit der momentanen Rechtsentwicklung.

Die autonome Antifa diskutiert schon seit langem hitzig die Anwendung von Gewalt. Die Bereitschaft zu Militanz ist zwar gegeben, beschränkt sich aber überwiegend auf zivilen Ungehorsam, Sitzblockaden und Gewalt gegen Sachen und Gegenstände. Situationsbedingt kommt es allerdings auch zu Gewaltanwendungen gegen Personen. Und dennoch lehnt die autonome Antifa gezielte Angriffe auf Neonazis oder auch Vertreter von Staat und Wirtschaft meistens ab.   

Viele der autonomen Antifa-Gruppen werden vom Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) als linksextrem eingestuft. Trotz des gravierenden, ideologischen Gegensatzes stellt das BfV die Linksextremisten unter dem gemeinsamen Oberbegriff des Extremismus mit den Rechtsextremisten gleich.

Die Aktionen der Antifa werden als terroristische Gewalt dargestellt. Das BfV stuft die Provokationen von Neonazis durch die Linken als besonders gefährlich ein, da diese darauf mit äußerster Gewalt zurück reagieren. So ordnet beispielsweise Uwe Backes, Vertreter der Extremismus - Theorie, die autonome Antifa als den „harten Kern“ des militanten, linken Spektrums ein. Er sieht in den Konflikten zwischen Antifa und Anti-Antifa den Hauptgrund für die zunehmende Gewalt.

 

 

Text: Sophie Martin

Fotos: pixabay

 

Quellen: www.bpb.de, www.spiegel.de, www.antifainfoblatt.de, www.indymedia.org, www.antifa.info

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