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Guido Cremerius absolviert im Rahmen seines Studiums gerade ein Praktikum im why not? und bei dem Netzwerk FLUCHTort Hamburg 5.0. In dem nachfolgenden Gespräch erklärt er, was er an seinem Studiengang so schätzt, mit welchen Herausforderungen er sich täglich konfrontiert sieht und was genau Integration für ihn bedeutet.

 

Stell dich bitte einmal kurz vor!

„Mein Name ist Guido Cremerius, ich bin 23 Jahre alt, komme ursprünglich aus Mönchengladbach und bin jetzt seit circa zweieinhalb Jahren in Hamburg. Ich studiere soziale Arbeit im fünften Semester an der Hochschule, darüber hinaus bin ich Praktikant im why not?. Hier absolviere ich mein Vollzeitpraktikum für mein Studium, angefangen habe ich letztes Jahr im April mit einem Arbeitstag pro Woche, seit September haben wir auf vier Tage aufgestockt.“

 

Wieso hast du dich dazu entschlossen, dein Praktikum in einer Einrichtung wie dem why not? zu absolvieren?Guido 2

„Ich hatte vom why not? gehört, kannte es, bevor ich mich beworben hatte, gar nicht. Im Allgemeinen wusste ich nicht, was es so für soziale Institutionen in Hamburg gibt. Nachdem ich mich auf der Homepage des why not? ausführlich informiert hatte, habe ich dann via Email nachgefragt, ob so ein Vollzeitpraktikum überhaupt möglich sei. So bin ich mit Fee und Michael in Kontakt gekommen. Bei unserer ersten Begegnung habe ich sofort gemerkt, wie harmonisch alles war. Mein Studium hat den Schwerpunkt Migration, das passt natürlich perfekt zum why not?. Im Nachhinein kann ich nur sagen, dass die Entscheidung, das Praktikum hier zu machen, definitiv die richtige war!“

 

Beschreibe einmal einen typischen Arbeitstag im why not?!

„Oh, das gestaltet sich schwierig, denn es gibt keinen typischen Tag, weil jeder Tag anders ist. Ich muss an dieser Stelle auch betonen, dass ich mehr Praktikant im FLUCHTort als im why not? bin. Daher verbringe ich den größten Teil des Tages oben im Büro vom FLUCHTort. Dort arbeite ich an verschiedenen Projekten. Ich suche zum Beispiel die passenden Deutschförderungen heraus. Unter anderem bieten wir einen Berufsvorbereitungskurs an, in diesem Zusammenhang kümmere ich mich um die Anmeldungen. Und ich habe mit den Flüchtlingen Exkursionen gemacht, zum Berufsinformationszentrum, zur Zentralbibliothek am Hauptbahnhof und zur Berufsmesse der Handelskammer. Darüber hinaus bin ich in der Beratung tätig. Teil meiner Arbeit ist es, die Flüchtlinge in Bezug auf ihre berufliche Situation zu beraten. Dies bedeutet, dass ein berufliches Profiling durchgeführt wird. Sobald dies geklärt ist, wird beispielsweise das Anerkennungsverfahren eingeleitet. Mittlerweile fühle ich mich gut in das Geschehen im why not? integriert, so helfe ich jetzt jeden Donnerstag bei der Integrationskursanmeldung. Dies ist eine offene Sprechstunde, so dass man auch gar nicht so genau sagen kann, wie viele Menschen dort hinkommen, es ist nicht kalkulierbar.“

 

Was gefällt dir an deiner Arbeit im why not??

„Mir gefällt besonders der Aspekt, dass ich im direkten Kontakt mit Menschen stehe, dass ich mit ihnen arbeite. Daher bringt mir die Beratung unserer Klienten am meisten Spaß. Außerdem ist das Arbeitsklima im why not? durch und durch harmonisch. Und es ist kein bürokratischer Ort, sondern ein sehr freier, sowohl für Gedanken als auch für Taten.“

 

Du studierst soziale Arbeit. Was reizt dich an diesem Studiengang?

„Mein Ziel ist es, die Lebensqualität von Menschen zu verbessern. Dieser Prozess ist bei jedem Menschen möglich, ganz gleich, welchen Habitus er besitzt oder welchen Status er in der Gesellschaft innehat. Jedem Einzelnen kann geholfen werden, sein Leben zu optimieren. Aber es gibt immer Personen, die sich außerhalb unseres Systems befinden, die marginalisiert sind, sie gehören einer Randgruppe an. Aktuell verbindet die Öffentlichkeit mit dieser sozialen Randgruppe oft die vielen Migranten, die in unser Land gekommen sind. Hier im why not? definieren und entwickeln wir Ziele, um ihnen die Integration zu erleichtern. Es geht darum, ihre Lebensqualität eklatant zu verbessern. Hilft man dem Einzelnen, so hilft man der gesamten Gesellschaft.“

 

Wie du selbst erwähnt hast, ist deine Tätigkeit im why not? eng gebunden an das Netzwerk FLUCHTort Hamburg 5.0. Was genau sind Aufgabe und Ziel dieser Institution?

„Unser Ziel ist es, Migranten mit einem ungesicherten Aufenthaltsstatus dabei zu helfen, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Wir wollen denjenigen, die eine Aufenthaltsgestattung oder eine Duldung besitzen, Möglichkeiten aufzeigen, wie sie hier in Hamburg Fuß fassen können. Es geht dabei immer um den Zugang zum Arbeitsmarkt. Denn Arbeit gibt den Menschen die Sicherheit, hier in Deutschland bleiben zu können.“

 

Was sind die täglichen Herausforderungen in der Arbeit mit Flüchtlingen?

„Es ist zum einem die Kommunikation. Das Nichtbeherrschen der deutschen Sprache durch die Migranten erschwert unsere Arbeit oft sehr. Viele in unserer Gesellschaft denken auch, dass die kulturellen Unterschiede sowie die vielen verschiedenen ethnischen Gruppen Konfliktpotenzial mitbringen. Ich sehe das anders, für mich stellt dies kein Problem dar, eher eine Bereicherung. Die Herausforderungen liegen definitiv in den sprachlichen Barrieren. Wenn jemand sich nicht artikulieren kann, nicht klar sagen kann, was er möchte, dann ist dies die größte Schwierigkeit, die es zu überwinden gilt.“

 

Wir haben viel über Integration gesprochen. Was bedeutet nun Integration für dich?

„Ich finde, dass es sehr schwierig ist, diese Frage zu beantworten. Für mich heißt Integration, dass der Mensch sich auch integriert fühlt. Er muss das Gefühl haben, dass er von seiner Umgebung akzeptiert wird. Passiert dies nicht und er wird abgelehnt, so führt dies zu einer Exklusion und der Betroffene fühlt sich ausgeschlossen. Es kann bei Anhäufung solcher Erlebnisse, z. B. bei der Suche nach Wohnungen oder Arbeitsplätzen, zu einem Ohnmachtsgefühl kommen, welches im extrem Fall als Konsequenz hat, dass die Person eine Ablehnung gegen die Gesellschaft entwickelt. Wichtig ist es, in solchen Situation Hilfe von außen zu bekommen und Menschen zu haben, mit denen man Ereignisse besprechen und reflektieren kann. Das why not? spielt hier eine große Rolle. Es ist eine Begegnungsstätte, in der der Mensch als ein Ganzes betrachtet wird und die Chance bekommt, mit Menschen aus den unterschiedlichsten Herkunftsländer in Kontakt zu kommen. Bei uns wird niemand ausgeschlossen.“

 

Kannst du dir vorstellen, nach Beenden deines Studiums weiter im why not? zu arbeiten?
„Ja, aber sicher! Sowohl im why not? als auch beim Fluchtort. Mir gefällt die Arbeit hier wirklich sehr gut!“

 

Text und Fotos: Sophie Martin

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