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Ende der 90er Jahre kam Claudia Andereya aus dem spanischen Baskenland nach Deutschland, hier studierte sie Theologie, heute ist die 34-Jährige in der Hamburger City Church als Seelsorgerin tätig. In dem folgenden Gespräch erzählt Claudia von ihrer Arbeit in der Kirchengemeinde und davon, warum ihr ihr Glaube so wichtig ist.

 

Stell dich doch bitte einmal kurz vor!

Mein Name ist Claudia Andereya, ich bin 34 Jahre alt. Aufgewachsen bin ich in Spanien, im Baskenland um genau zu sein. Später habe ich dann viel Zeit in Barcelona verbracht. Seit 1998 bin ich Deutschland. Darüber hinaus habe ich deutsche Wurzeln, mein Vater ist Deutscher. Zusammen mit meiner Mutter ist er damals nach Spanien ausgewandert. Sie waren Missionare, haben fast 30 Jahre in diesem Bereich gearbeitet.

 

Was ist dein beruflicher Background, was hast du studiert?

Als ich nach Deutschland kam, musste ich erstmal die Schule beenden und natürlich Deutsch lernen. Denn bis dahin hatte ich mit der deutschen Sprache nicht wirklich viel zu tun. Ich war auf einer Schule für Wirtschaft und Verwaltung, also eher etwas Kaufmännisches. Nach meinem Schulabschluss habe ich dann aber Theologie in der Nähe von Köln studiert. Schon während meines Studiums fing ich an, in der Kirche, in unserer Gemeinde zu arbeiten, dies gemeinsam mit meinem Mann. Und ich mache immer wieder Fort- und Weiterbildungen, untere anderem für die psychologische Beratung.

 

Seit wann bist du in der City Church beziehungsweise im why not? tätig?

In der City Church arbeite ich seit 2007, also seit nun schon zehn Jahren. Im why not? Café bin ich dagegen erst seit kurzem, seit Anfang des Jahres.

 

Was genau sind deine Aufgaben?

In der City Church bin ich als psychologische Beraterin angestellt, das heißt konkret, dass ich vor allem für die Seelsorge, für die Begleitung der Menschen verantwortlich bin. Im why not? Café kümmere ich mich auch um den Beratungsbereich, hier allerdings mit den Schwerpunkten soziale Arbeit und Anmeldungen, zum Beispiel für die Integrations- oder Alphakurse.

 

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Wie sieht ein typischer Arbeitstag aus?

Mein Tag beginnt damit, dass ich meine beiden Kinder in die Schule bringe, danach komme ich hierher zu meiner Arbeit. Gestern zum Beispiel hatte ich fünf Beratungsgespräche, davon war das erste ein Konfliktbewältigungsgespräch, danach ging es um eine Ausbildungsvorbereitung und später um eine Eheberatung. Eheberatungen werden im Übrigen sehr oft in Anspruch genommen. Solche Therapien laufen in der Regel drei Monate, die Klienten kommen regelmäßig zu mir, etwa alle zehn bis 14 Tage, das entspricht dann zwischen acht bis zehn Sitzungen. Ein Beratungsgespräch dauert im Durchschnitt etwa eine Stunde, manchmal auch länger, wenn es etwas Wichtiges zu besprechen gibt, da bin ich flexibel. Gestern zum Beispiel war eine Studentin bei mir, sie hat während unserer Sitzung erfahren, dass sowohl ihre Mutter als auch ihr Vater verstorben sind. Sie ist weinend zusammengebrochen, war verständlicherweise mit den Nerven am Ende. Hier waren meine Fähigkeiten als Seelsorgerin besonders gefragt.

 

 Du hörst dir oft das Leid und die Sorgen anderer an. Wie schaffst du es, dich abzugrenzen und all diese Probleme nicht mit nach Hause zu nehmen?

Hierbei hilft mir vor allem mein Glaube. Ich teile diese Probleme, diese Last mit Gott, ich bin also nicht alleine, sondern kann einen Teil der Belastungen an Gott abgeben.

 

Was bedeutet dein Glaube für dich?

Oh, mein Glaube ist alles für mich! Jede Entscheidung, die ich treffe, hat mit meinem Glaube zu tun. Mein ganzer Charakter, meine ganze Persönlichkeit sind durch meinen Glauben geprägt. Gott bedeutet mir wirklich sehr, sehr viel, ist mir wichtig. Ich möchte an dieser Stelle jedoch anmerken, dass ich den Begriff Religion nicht mag. Ich trenne ganz klar die Begrifflichkeiten Religion und Glaube. Ich denke, dass der Glaube eine sehr persönliche Angelegenheit ist, eine Sache zwischen Gott und mir. Auch meine persönliche Beziehung zu Jesus und mir können eben nur Jesus und ich beurteilen. In meinen Augen macht Religion zu viel kaputt. Denn sie ist viel zu sehr geprägt von Gesetzen. Und sie präsentiert das Bild Gottes viel zu radikal.

 

Bist du mit Gott aufgewachsen?

Ja, meine Eltern waren Pastoren, ein Pastorenehepaar, genau wie mein Mann und ich jetzt, nur mit dem Unterschied, dass mein Vater und meine Mutter als Missionare tätig gewesen sind. Ich komme also aus einem christlich geprägten Elternhaus. In diesem Elternhaus wurde ich für die Liebe Gottes sensibilisiert. Meine Eltern haben tatsächlich den ganzen Tag immer nur an andere gedacht, ihr ganzes Dasein war darauf ausgerichtet, anderen zu helfen. Diesen Grundsatz habe ich gerne übernommen, praktiziere ihn nun selber, Tag für Tag.

 

Inwieweit ist dein Alltag vom christlichen Glauben geprägt?

Oh, mein Glaube zieht sich durch meinen gesamten Tagesablauf. Ich bete quasi permanent, von morgens bis abends befinde ich mich in einem Gespräch mit Gott. Nicht nur in meinem Privatleben ist Gott mir nah, auch mein Beruf ist sehr stark von meinem Glauben geprägt. Dafür bin ich sehr dankbar.

 

In welchen Situationen spürst du die Anwesenheit Gottes besonders?

In schwierigen Situationen ist mir Gott besonders nahe. Denn es sind diese Momente, in denen man knallhart merkt: hey, da ist jemand an meiner Seite, der mir Kraft, Mut und Zuversicht schenkt, ich bin nicht allein. Aber wie ich schon sagte, ich spüre die Präsenz Gottes selbstverständlich auch im Alltag, beispielsweise wenn ich Entscheidungen treffen oder die kleinen, alltäglichen Probleme meistern muss. Und ich bin davon überzeugt, dass alles was passiert, auch die schlimmen Dinge, seinen Sinn hat. Es gibt für alles ein Motiv. Auch für das Negative.

 

Dein Mann ist Pfarrer, ihr habt zwei Kinder. Erzieht ihr die beiden nach christlichen Grundsätzen?

Ja, definitiv. Für mich bedeutet dies vor allem, dass ich meinen Kinder verständlich mache, wie sehr ich mich von Gott geliebt fühle, wieviel Liebe Gott überhaupt für uns alle hat, dass keiner alleine ist. Das möchte ich ihnen vermitteln, ihnen mit auf ihren Weg geben. Wir beten gemeinsam, reden offen und viel über alles. Kommunikation hat eine große Bedeutung. Die Kommunikation zwischen uns und natürlich auch die mit Gott.

 

Was wünscht du dir für deine Zukunft in der City Church?

Ich hoffe sehr, dass wir weiterhin vielen Menschen helfen können, ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen, dass sich niemand mit seinen Problemen alleine gelassen fühlt. Die Zeit, die diese Menschen mit uns verbringen, soll ihnen als eine positive in Erinnerung bleiben."

 

Interview: Sophie Martin

Fotos: Sascha Reinhold

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