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Alireza Deris kam vor zwei Jahren aus der iranischen Stadt Abadan nach Deutschland. In dem folgenden Gespräch erzählt er von seiner Leidenschaft für die Musik, von seinem Wunsch nach Demokratie und Meinungsfreiheit in seinem Heimatland und von den Unterschieden zwischen dem Leben im Iran und hier in Deutschland.

Two years ago Alireza Deris came from the Iranian city Abadan to Germany. In the following conversation he talks about his passion for music, about his wish for democracy and freedom of opinion in his home country and about the differences between life in Iran and here in Germany.

 

Aus welchem Teil des Irans kommst du?
Which part from Iran are you from?

„Ich komme aus Abadan. Die Stadt befindet sich im Südwesten des Irans in der Provinz Chuzestan. Sie liegt direkt an dem Fluss Schatt el Arab.“
„I am from Abadan, a city in the south-west of Iran placed in the province of Chuzestan close tot he river Schatt el Arab.“

Wie lange bist du schon in Deutschland?
How long are you in Germany?

„Seit ungefähr zwei Jahren. Vorher war ich für neun Monate in der Türkei.“
„Since nearly two years. Before I came to Germany I spent nine months in Turkey.“

Was waren die Gründe für deine Flucht aus dem Iran?
Why did you take refuge from Iran?

„Ich hatte Probleme, große Probleme. Ich wurde festgenommen, war im Gefängnis. Zum Glück haben meine Eltern dafür gesorgt, dass ich wieder freigelassen wurde. Die Zeit im Gefängnis war schrecklich, das wünsche ich wirklich niemanden. Für mich gab es keine Zukunft mehr im Iran, es wäre zu gefährlich gewesen, also bin ich nach Europa gereist.“
„I had problems there, big problems. I was arrested, have been in prison. But fortunately my parents organized my disimprisonment. Time in prison was terrible, no one should experience this, really not! I had no more future in Iran, it would have been to dangerous, that is why I travelled to Germany.“

Du machst Musik. Ist diese typisch iranisch?
You are a musician. Is your music typical for Iran?

„Ja, auf jeden Fall. Es ist typische Musik, die so vor allem im Süden des Irans gespielt wird. Sie ist sehr rhytmisch, sehr melodisch. Ich spiele mit meiner Band auf klassischen, traditionell iranischen Instrumenten, die wir selbst gebaut haben.“
„Yes, definitely. It is typical music which is played in the south of Iran. It is very rhythmic, very melodic. My band and me, we make music with typical and traditional Iranian instruments, which we have built ourselves.“

Wie war die Situation im Iran? Konntest du dort frei musizieren oder gab es Einschränkungen?
How was the situation in Iran? Could you play music there freely or were there any restrictions
?

„Nein, ich durfte nicht frei musizieren, meine Musik war dort nicht gerne gesehen, es gab immer wieder Probleme.“
„No, I wasn’t allowed to play my music. I got into trouble because of my music, there were a lot of problems.“

Was bedeutet Musik für dich?
What does music mean to you?

„Musik ist mein Leben! Sie ist Ausdruck meiner Gefühle, bedeutet mir alles. Ein Leben ohne Musik kann ich mir nicht vorstellen, da würde definitiv etwas fehlen. Beim Musizieren komme ich zur Ruhe, kann entspannen. Neben dem Spielen von Instrumenten singe ich natürlich auch und das bringt mir einfach nur Spaß! Ich schreibe meine Texte selber, kann so Dinge aus der Vergangenheit verarbeiten. Meine letzten beiden Songs handeln von Jesus, vom christlichen Glauben.“
„Oh, it means everything to me! With music I can express my feelings. I can’t imagine life without music, I would really miss something. When I play music, I can relax, it calms me down. Apart from playing instruments, I also sing and this means s a lot of fun to me! The songtexts I write them myself. This helps me to handle things from my past. The last two songs are about Jesus, about Christianity.“

Bist du alleine in Deutschland? Wo ist deine Familie?
Are you alone in Germany? Where is your family?

„Ja, ich bin alleine hier, leider. Meine Eltern und meine Schwestern sind noch im Iran, sie fehlen mir sehr.“
„Yes, I am alone here in Germany, my parents and my sisters are still in Iran, I miss them a lot.“

Beschreib doch mal den Alltag im Iran!
Can you describe everyday life in Iran?

„Als ich so acht, neun Jahre alt gewesen bin, haben sich meine Eltern getrennt, ich bin dann bei meiner Tante aufgewachsen. Mein Alltag war also lange Zeit davon geprägt, dass ich keinen Kontakt zu meinen Eltern hatte, erst als ich 14 Jahre alt war, haben wir uns wieder regelmäßig gesehen. Mit 16 habe ich dann angefangen zu arbeiten, als Friseur. Ich bin wirklich gut darin, Haare zu schneiden, hatte sogar meinen eigenen, kleinen Laden. Später habe ich dann auch studiert, die Universität besucht, mich für ein Ingenieursstudium eingeschrieben. Der Alltag im Iran ist vor allem davon geprägt, dass man immer vorsichtig sein muss. Man ist dort nicht frei.“
„When I was eight, nine years old, my parents got divorced, I grew up with my aunt. Everyday life, that meant a long time to me, not to see my parents. Just since my fourteenth birthday, we met each other regularly. And I worked a lot, with sixteen years I started to work as a hairdresser. I am really good in cutting hair, I owned my own little shop. Later, I studied engineering at university. But in general I can say that everyday life in Iran primarly means that you always have to be very careful. You are not free there.“

Was ist typisch für die iranische Kultur?
What is typical for the Iranian Culture?

„Die Menschen sind sehr offen und gastfreundlich, es wird viel zusammen gekocht und gegessen. Und die Familie ist sehr wichtig.“
„People there are very open-minded and hospitable, they cook and eat a lot togheter. And family is very important to them.“

Was sind die größten Unterschiede zwischen dem Leben im Iran und hier in Deutschland?
What are the biggest differences between life in Iran and here in Germany?

„Die Deutschen legen vielmehr Wert auf Pünktlichkeit, da sind wir Iraner wesentlich lockerer. Der größte Unterschied ist jedoch, dass man hier in Deutschland seine Meinung frei äußern darf ohne Angst haben zu müssen, dass man dann weggesperrt wird. Aber die familiären Bindungen, die familiären Strukturen sind im Iran enger und für die Leute dort auch wichtiger als hier in Deutschland. Und im Iran wird früher geheiratet.“
„In Germany people are definitely more punctual, Iranians are not so strict with time. But the biggest difference is the fact that you can say what you think and mean here in Germany. You don’t have to be afraid of any consequences for example prison or arrest. But in Iran family is much more important to the people and they marry earlier.“

Wie schwer ist es für dich, die deutsche Sprache zu lernen?
How difficult is it to learn the German language?

„Oh, es ist sehr schwer, ich bräuchte mehr Kontakt zu deutschen Muttersprachlern, um mehr zu üben. Die Grammatik ist schon sehr kompliziert.“
„Oh, it is really hard! I think I need more contact to German mother-tongue speakers to practice the language more. German grammar is very complicated.“

Vermisst du deine Heimat manchmal?
Do you miss your home country sometimes?

„Ja, oft. Der Iran hat viele Probleme, viele ernste Probleme, aber er ist meine Heimat, ich bin dort geboren und aufgewachsen, das prägt einen selbstverständlich. Und natürlich vermisse ich meine Familie und meine Freunde, die dortgeblieben sind.“
„Oh, yes, very often. I mean, Iran has a lot of problems, serious problems, but it is my home, I was born and I grew up there. And of course I miss my family and my friends who stayed there.“

Was wünschst du dir für die Zukunft deines Landes?
What are your wishes for the Iranian future
?

„Demokratie. Ich hoffe, dass es dem Land gelingt, demokratische Strukturen aufzubauen. Und dass die Menschen ihre Meinung frei und offen äußern können. Außerdem wäre Religionsfreiheit erstrebenswert. Jeder sollte an das glauben, was ihm richtig erscheint. Für mich persönlich wünsche ich mir, dass meine Familie nach Hamburg kommen kann. Das wünsche ich mir von ganzem Herzen!“
„Democracy. I hope that it would be possible to build up democratical structures in this country so that people could say what they mean and think. And freedom of religion would be desirable. Everyone should be able to believe in what he wants to. For me myself I wish that the rest of my family could come to Germany as well. That’s a heart’s desire!“

Das Interview führte Sophie Martin     Fotos: privat

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