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Die Kunstkurse für Kinder und Jugendliche in den Sommerferien sind erfolgreich mit einer Vernissage geendet. Was ein Spaß dieser August war für alle Beteiligten!

Und erstaunlich, was so ein Kunstkurs alles noch so mit sich bringt... Bereits während des Holzkurses in den Sommerferien herrschte eine schöne Stimmung zwischen den Teilnehmer_innen. Zwei Wochen lang bohrten und schraubten sie an unterschiedlichen Werken herum, spielten Tischtennis in der Pause (mit selbstgebauten Tischtennis-Schlägern), zeigten sich Musik und Videos und erzählten Geschichten aus ihrem Leben. Es gab viel zu lachen. Der letzte Tag war fast wie Abschied nehmen - doch wenig später sollten sich schon alle bereits wiedersehen. Denn Tufan lud die Truppe zum Essen ein.

Internationaler geht es kaum! An einem Grill stand Rene aus Honduras und legte Hühnerkeulen auf, nebenan am anderen Grill brutzelte Jeff aus Nigeria Steaks. Und auf der Wiese zwischen Barbeque und Backsteinvilla hatte Marlies aus Deutschland Spiele für die Kinder organisiert.

So feierte die Peace Chapel Hamburg ihr Sommerfest. Der Ort hätte kaum besser sein können. Eine riesige Wiese zum Spielen, Biertische zum Schmausen, eine Veranda vor der Villa für die Band und ein kleiner Teich vor dem Haus, in dem zwar ein Fußball verschwand, dann aber wieder gerettet werden konnte. Die Kinder spielten Sackhüpfen, Ringewerfen und pusteten Seifenblasen. Und bei Gegrilltem und selbstgemachten Salaten ging es auch den Großen richtig gut.

Der erste Teil des 4-wöchigen Kunstkurs-Angebots (Ferienprogramm des why not?) ist erfolgreich zu Ende gegangen. Die Kids hatten eine Menge Spaß beim Basteln, Malen und Handwerkeln. In der Holzwerkstatt wurden Tischtennisschläger, Schachspiele, Hocker, Regale, Gitarren und vieles mehr gebaut. Im Basteln&Malen-Kurs wurden Jutebeutel bedruckt, Kunstwerke aus Ton getöpfert und es sind viele schöne bunte Bilder entstanden.

Mit viel Kreativität, Konzentration und Spaß waren die Kids dabei.

Im why not? gibt es jeden Tag ein warmes Mittagessen. Gekocht wird von verschiedenen ehrenamtlichen Helfern aus aller Welt. Es gibt keine Qualifikation, die man zum Kochen benötigt. Kochen darf wer Lust darauf hat und kochen kann ;-)

Freitags kocht immer Hossein. Hossein hat in Deutschland kochen gelernt, zuhause mit seinem Smartphone und mit Hilfe von YouTube Videos. Irgendwann hat Hossein dann angefangen im why not? zu kochen. Was es zu essen gibt, entscheidet er selbst.

Wenn Hossein kocht, gibt es meistens persische Gerichte aus seiner Heimat. Er hat aber auch schon italienische Rezepte ausprobiert. Die deutsche Küche verbindet Hossein mit Kartoffeln – in allen möglichen Variationen.

Vorbemerkung:
 Dieses Interview hat eine Vorbereitungszeit von gut 4 Monaten gebraucht. Ich habe Sherzad (13) das erste Mal im November 2015 zusammen mit seinen Pflegeeltern Phillip, den ich im letzten Interview porträtiert habe, und seiner Frau Brigitte, kennengelernt und war überrascht, wie offen, freundlich und völlig vorbehaltlos dieser kleine Kerl schon durch sein „neues“ Leben, in einem für ihn noch völlig fremden Land, geht.
 Und trotzdem, bei genauerem hinhören und -schauen bemerkt man recht schnell das Sherzad vieles hinter sich hat an dass er nicht mehr erinnert werden möchte. Also keine günstigen Voraussetzungen für ein Gespräch in dem es um Flucht gehen soll. Inzwischen ist Sherzad komplett angekommen, geht aufs Gymnasium, spricht hervorragend Deutsch und ist der Star im einheimischen Fußballteam. Also vielleicht ein guter Moment um sich langsam wieder an das Thema heranzutasten.

Ich treffe Sherzad an einem Sonntagmorgen, zusammen mit seinen Pflegeltern, bei einem entspannten Frühstück. Im Vorfeld ist mit diesen abgesprochen dass sie sofort einschreiten wenn es für Sherzad zu viel wird.
 Sherzad hat seinen großen Bruder Servan (19) mitgebracht, der ebenfalls hervorragend deutsch spricht. Wir beschließen spontan ein „Geschwisterinterview“ daraus zu machen. Das daraus dann eine Geschichte wird die einfach tief bewegt, war so nicht geplant, macht dieses Gespräch aber im Nachhinein umso wichtiger und notwendiger.

Viele Menschen sind sich nicht sicher, ob sie sich vielleicht strafbar machen, wenn sie einem "Illegalen" helfen. Dass Menschen ohne Papiere in Deutschland auch Rechte haben und es nicht verboten ist einem Menschen zu helfen, ist vielen nicht klar. Hier sind ein paar Stichpunkte und Information zu dem Thema.

Papierlos heißt nicht rechtlos

  • Medizinische Behandlung und andere humanitäre Hilfen sind nicht strafbar
  • Auch Papierlose haben Anspruch auf Leistungen des Sozialamtes
  • Wenn sich ein Papierloser selbst an das Sozialamt oder eine andere öffentliche Stelle wendet, hat diese aber eine Meldepflicht
  • Nur öffentliche Stellen haben eine Meldepflicht
  • Arztpraxen und Krankenhäuser in freier oder privater Trägerschaft sind keine öffentlichen Stellen
  • Ärzte und andere Personen, die der Schweigepflicht unterliegen, sind immer – auch in öffentlichen Krankenhäusern – an die Schweigepflicht gebunden
  • Auch öffentliche Stellen haben keine Meldeerlaubnis, wenn sie die fragilen Daten von einer Person, die der Schweigepflicht unterliegt, erhalten haben (sollten aber auf die Vertraulichkeit der Daten hingewiesen werden).

Gerade komme ich vom Sprachencafé im why not? zurück. Ich wurde gefragt, ob ich nicht einmal etwas über das Sprachencafé schreiben könnte. Puh...gar nicht so einfach, denn wenn ich einmal anfange, könnte es sein, dass ich nie wieder aufhöre darüber zu sprechen. Aber ich versuche es mal kurz zu halten.

Seit Februar 2015 organisiere ich nun das Sprachencafé im why not?. Irgendwann vor längererer Zeit, habe ich beschlossen, dass ich gerne ehrenamtlich etwas machen würde – am liebsten mit Menschen. Da ich selbst schon in mehreren Ländern gelebt habe, lag es nahe etwas im Migrations- und Sprachbereich zu machen.

Nachdem ich unzählige facebook-Hilfsgruppen durchforstet habe und schon etliche E-Mails an die verschiedensten Organisationen geschickt habe, bin ich dann auf das why not? gestoßen. Schon beim ersten Gespräch im why not? mit Glen war klar, dass mir die Atmosphäre und die Menschen im why not? sehr gefallen werden. Glen erzählte mir dann von dem Sprachencafé – das hatte es schon einmal gegeben, doch leider fehlten dann die Leute und die Zeit, um es weiterzuführen.

Gerade witzelte er noch im Café mit einer Lateinamerikanerin darüber, dass er 15 kg abnehmen müsse, um eine Frau kennenzulernen. Wenig später lässt mich Jorge* aber in einem Gespräch erfahren: Er sei nicht zwingend auf der Suche nach einer Frau. Klar, er würde sich gerne verlieben und heiraten, eine Frau finden, mit und an der er geistig und spirituell wachsen könne, wenn er so eine denn mal kennenlernen würde. Aber einfach so, ohne Liebe zu heiraten, das wolle er nicht. „Ich möchte mir nicht mein Leben kaputt machen, nur wegen den Papieren.“

Jorge ist 45 Jahre alt und ein Freund des why not?. Er hat keine Papiere, ist also "illegal" hier. Vor 2,5 Jahren kam er nach Deutschland. Geplant war dies nicht. Ursprünglich wollte der sympathische Buchhalter, der aus Mittelamerika kommt, mit einem Freund in die USA fliehen. Denn sein Land befand sich in einer kritischen finanziellen Situation. Nachdem er – nach 13 Jahren - seinen Job bei der Bank verlor und vergebens nach einem neuen suchte und suchte und suchte, fassten die beiden den Beschluss: Sie wollten ein besseres Leben, ein neues Leben in einem anderen Land beginnen. Dafür wollten sie den „nassen“ Weg über Mexiko nehmen; also über den Fluss nach Texas schwimmen. Vier Versuche planten sie, doch immer wenn sie kurz vor dem Aufbruch waren, kam etwas dazwischen. Zuletzt der Tod des Vaters seines Freundes. So entschied Jorge, sich alleine auf den Weg zu machen.